Wie Ärztinnen und Ärzte ehrenamtlich aktiv werden können
Heiko FeketeTue Gutes und rede darüber: Auch für Niedergelassene gibt es viele Möglichkeiten, um dem gesellschaftlichen Gemeinwohl zu dienen. ARZT & WIRTSCHAFT fasst für Sie zusammen, wo Sie außerhalb Ihrer Praxis ehrenamtlich tätig werden können.
Eine Gesellschaft ohne Ehrenamt ist nahezu unvorstellbar. Sport, Kultur und Bildung, soziale Initiativen, aber auch Hilfsorganisationen wie das THW und die Feuerwehr bauen auf freiwilliges Engagement. Nach Angaben des Bundesinnenministeriums engagieren sich rund 29 Millionen Menschen hierzulande ehrenamtlich, darunter auch viele Ärzte. Das ärztliche Selbstverständnis, anderen zu helfen und so eine wichtige Rolle im gesellschaftlichen Zusammenleben einzunehmen, lässt sich mit einem Ehrenamt ideal verbinden.
Sie können sich dabei zum einen aussuchen, ob sie ihre Hilfe vor Ort oder im Ausland anbieten oder ob sie sich zum anderen dafür engagieren, Gesundheitswissen zu vermitteln. Auch indirektes Engagement durch Spenden ist möglich und wird auch vom Staat begünstigt (siehe Infokasten unten). Hier ist eine Übersicht über die verschiedenen Tätigkeitsfelder ärztlichen Engagements:
Ehrenamtliches Engagement vor Ort
Hier können Niedergelassene zum Beispiel einen örtlichen Sportverein als Mannschaftsarzt unterstützen. Bei sportmedizinischer Zusatzqualifikation bietet es sich zudem an, den Vereinsmitgliedern die richtige Belastungssteuerung beim Training zu vermitteln. Ein Engagement in diesem Bereich kann auch dazu nützlich sein, die eigene Bekanntheit zu steigern und neue Patientinnen und Patienten zu gewinnen.
Weniger um Patientengewinnung geht es bei medizinischer Hilfe für Bedürftige: Der Verein „Armut & Gesundheit in Deutschland“ setzt sich dafür ein, dass auch benachteiligte Personengruppen wie Obdachlose oder Asylsuchende einen besseren Zugang zu medizinischer Versorgung erhalten – und listet dazu auch über seinen Internetauftritt mehrere Kontaktstellen in ganz Deutschland auf. Hier können Ärztinnen und Ärzte auch Teil des Netzwerks werden und dabei helfen, sozial Schwächere mitzuversorgen.
Ehrenamtliche Tätigkeiten in Berufsverbänden
Interessenvertretungen wie die Kassenärztlichen Vereinigungen oder die Landesärztekammern sind immer auf der Suche nach Ehrenamtlichen, um ihre Funktionen wahrzunehmen. Hier können Mitglieder in verschiedenen Ausschüssen, Kommissionen oder in den Kreis- und Bezirksstellen tätig werden und sich vielfältig engagieren. Gesucht werden auch Ärztinnen und Ärzte, die sich in der Aus- und Weiterbildung von MFA mit einbringen oder Medizinstudierende in eigens dafür eingerichteten Mentorenprogrammen auf ihrem Weg ins ärztliche Berufsleben begleiten.
Darüber hinaus organisieren die Landesärztekammern auch Angebote zur gesundheitlichen Bildung wie das Programm „Gesund macht Schule“: Das bringt ehrenamtliche Patenärztinnen und -ärzte sowie Grundschulen zusammen und möchte Kindern altersgerecht Wissen über Gesundheit und Vorsorge vermitteln. Auch Fortbildungen zur Kindergesundheit sind Teil dieser Kampagne. Gemeinsam mit den Kammern lassen sich eigeninitiativ auch weitere Kampagnen organisieren.
Humanitäre Hilfe im Ausland
Diese Form des Engagements ist unter Ärztinnen und Ärzten besonders beliebt: 681 Mitglieder zählt beispielsweise die deutsche Sektion der bekannten Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“. Weitere bekannte Vereine in diesem Bereich sind „Ärzte der Welt“, „Cap Anamur/Deutsche Not-Ärzte“ oder das Hilfsbündnis „German Doctors“. Die dort tätigen Ärztinnen und Ärzte leisten medizinische Unterstützung in Entwicklungsländern, helfen dabei beim Aufbau von gesundheitlichen Strukturen und erhalten mit viel Einsatz die Versorgung in Krisen- und Kriegsgebieten – aktuelle Schwerpunkte sind hier die Ukraine, der Gazastreifen, Sudan und Syrien.
Um die humanitäre Hilfe zu unterstützen, können Ärzte zudem bei der Administration mithelfen oder für die Organisationen spenden, sowohl im kleineren als auch im größeren Rahmen. Oft sammeln die gemeinnützigen Vereine Gelder im Rahmen eines Spendenlaufs oder anderer Spendenaktionen – auch eigene Spendenaktionen im privaten Umfeld sind möglich.
Nachhaltiges Engagement
Der Klimawandel gilt als große Bedrohung für die Gesundheit, ein stärkeres Bewusstsein für nachhaltiges Handeln gewinnt deshalb auch innerhalb der Ärzteschaft an Bedeutung. Das wird auch durch die Organisation „Health for Future“ deutlich. Health for Future ist ein Zusammenschluss von Mitarbeitern aus dem Gesundheitswesen, die sich in über 60 Ortsgruppen im gesamten DACH-Raum (Deutschland, Österreich und die Schweiz) sowie in Belgien für mehr Klimaschutz im Gesundheitswesen einsetzen.
Um ihre Ziele zu erreichen, halten sie unter anderem Vorträge, vernetzen sich mit anderen Klima-Initiativen oder engagieren sich in Arbeitsgruppen und Kampagnen. Nachhaltiges Engagement muss sich dabei nicht allein auf dieses ärztliche Netzwerk beschränken. Wer für mehr Natur- und Umweltschutz aktiv werden will, kann zusätzlich die Arbeit von entsprechenden Organisationen (BUND Naturschutz, Bergwaldprojekt, Deutscher Naturschutzring, NABU, Deutsche Allianz für Klimawandel und Gesundheit) unterstützen.
Auszeichnung für besonders engagierte Ärztinnen und Ärzte
Die Stiftung Gesundheit zeichnet seit 2018 Ärztinnen und Ärzte für ihre ehrenamtlichen Verdienste aus – mit dem Siegel „Dr. Pro Bono“. Nach eigenen Angaben sind inzwischen über 1.000 Mediziner Träger dieser Auszeichnung. Eine Auswahl der Ehrenamtlichen stellt sich und ihre Tätigkeit außerdem auf der Website von Stiftung Gesundheit vor. Die Erfahrungsberichten helfen Interessenten zudem, sich vor einem möglichen Engagement zu informieren. Denn so erfüllend eine ehrenamtliche Tätigkeit auch ist, sollte sie insbesondere in Bezug auf organisatorische Hürden nicht unterschätzt werden.
Das Ehrenamt aus steuerlicher Sicht
Für Personen, die einer ehrenamtlichen Tätigkeit nachgehen, sieht der Gesetzgeber Steuererleichterungen vor. So gibt es für Engagements in gemeinnützigen Vereinen den Ehrenamtsfreibetrag von 840 Euro. Aufwandsentschädigungen bleiben damit bis zu dieser Höhe steuer- und sozialversicherungsfrei. Der Freibetrag ist zudem an die Voraussetzung geknüpft, dass die nebenberufliche Tätigkeit maximal ein Drittel einer Vollzeittätigkeit ausmachen darf.
Auch Spenden an gemeinnützige Vereine lassen sich von der Steuer absetzen. Bei Zuwendungen bis 300 Euro reicht der Finanzverwaltung ein vereinfachter Nachweis, zum Beispiel in Form einer Überweisungsbestätigung. Bei Spenden ab 300 Euro ist eine Spendenbescheinigung durch den Begünstigten erforderlich.