Wirtschaftsnachrichten für Ärzte | ARZT & WIRTSCHAFT
Honorare
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Ärzte zählen in Deutschland zu den Top-Verdienern. Doch wie unterscheiden sich die Gehälter zwischen angestellten Ärzten und solchen mit eigener Praxis? Ist die Festanstellung im Krankenhaus finanziell attraktiver als die Selbstständigkeit? Wir beleuchten die aktuellen Zahlen und Fakten.​

Gehälter angestellter Ärzte im Krankenhaus

Die Gehälter von angestellten Ärzten variieren je nach Position und Berufserfahrung. Aktuelle Daten des Statistischen Bundesamtes zeigen folgende durchschnittliche Bruttojahresgehälter:​

  • Assistenzarzt: ca. 72.530 € ​

  • Facharzt: ca. 97.273 € ​

  • Oberarzt: ca. 111.961 € ​

  • Chefarzt: ca. 197.500 € ​

Diese Zahlen verdeutlichen, dass mit zunehmender Verantwortung und Erfahrung in der Regel auch das Gehalt steigt.​

Regionale Gehaltsunterschiede

Obwohl die Gehälter von Ärzten in Deutschland weitgehend tariflich geregelt sind, gibt es regionale Unterschiede. Im Allgemeinen sind die Gehälter in westlichen Bundesländern und Ballungszentren höher als in östlichen Bundesländern oder ländlichen Gebieten. Laut einer Studie des Marburger Bundes liegt das Durchschnittsgehalt für Ärzte in Deutschland bei etwa 86.000 € brutto im Jahr, wobei deutliche Unterschiede zwischen den Bundesländern bestehen. ​

Einkommen von Ärzten mit eigener Praxis

Niedergelassene Ärzte können je nach Fachrichtung und Praxisstruktur unterschiedliche Einnahmen erzielen. Laut Daten des Statistischen Bundesamtes liegen die durchschnittlichen jährlichen Einnahmen pro Praxis in folgenden Fachgebieten:​

  • Radiologie: 2.836.000 €​

  • Augenheilkunde: 1.212.000 €​

  • Orthopädie: 805.000 €​

  • Chirurgie: 746.000 €​

  • Innere Medizin: 749.000 €​

  • Allgemeinmedizin: 537.000 €​

Es ist wichtig zu beachten, dass diese Beträge die Gesamteinnahmen der Praxen darstellen. Nach Abzug der Praxiskosten ergibt sich der sogenannte Reinertrag, der je nach Fachgebiet variiert. Zum Beispiel liegt der Reinertrag in der Radiologie bei durchschnittlich 1.103.000 €, während er in der Allgemeinmedizin bei etwa 292.000 € liegt. ​

Nettoeinkommen niedergelassener Ärzte

Der Reinertrag einer Praxis ist nicht mit dem persönlichen Nettoeinkommen des Arztes gleichzusetzen. Von diesem Betrag müssen noch Steuern, Versicherungen und weitere persönliche Ausgaben abgezogen werden. Daher variiert das tatsächliche Nettoeinkommen je nach individueller Situation erheblich. ​

Diese Kosten haben Arztpraxen zu stemmen

Niedergelassene Ärzte müssen eine Vielzahl von Kosten decken, die ihren Reinertrag erheblich mindern. Laut einer Analyse des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi) lagen die durchschnittlichen Gesamteinnahmen einer Praxis 2021 bei 335.000 Euro. Davon stammen 78 Prozent aus der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Hohe Betriebskosten schmälern jedoch den Ertrag: Rund 162.000 Euro müssen für Miete, Personal, Geräte und Material aufgewendet werden. ​

Die Betriebskosten variieren je nach Fachrichtung und Praxisstruktur. Beispielsweise können die Aufwendungen in radiologischen Praxen aufgrund teurer Geräte höher ausfallen als in allgemeinmedizinischen Praxen. Diese Kosten beinhalten unter anderem:​

  • Personalkosten: Gehälter für medizinische Fachangestellte und weiteres Personal.​

  • Miet- und Leasingkosten: Kosten für Praxisräume und medizinische Geräte.​

  • Materialkosten: Verbrauchsmaterialien wie Einwegartikel, Medikamente und Büromaterial.​

  • Instandhaltungskosten: Wartung und Reparatur von Geräten sowie Renovierung der Praxisräume.​

Bedeutung des GKV-Umsatzes

Ein Großteil der Einnahmen niedergelassener Ärzte stammt aus der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Im Jahr 2020 machten die GKV-Einnahmen durchschnittlich 78 % der Gesamteinnahmen einer Praxis aus. Dies unterstreicht die zentrale Rolle der GKV für die wirtschaftliche Stabilität von Arztpraxen. ​

Was Ärzte verdienen möchten

Die ApoBank rund 400 Ärzte danach gefragt, was sie in Zukunft verdienen möchten bzw. welches Gehalt sie für ihren Job für angemessen halten. Nach dem dazugehörigen Brutto-Jahreslohn im Jahr 2030 gefragt, antworteten 23 % der befragten Allgemeinmediziner: „über 200.000 Euro“. Im Durchschnitt sehen sich allerdings nur 11 % der Heilberufler 2030 in dieser Verdienstklasse. Bei Humanmedizinern waren es 15 %. Deutlich mehr von ihnen, nämlich 20 %, betrachtet einen Brutto-Jahreslohn von 81.000 bis 100.000 Euro für richtig. Bei Fachärzten sind es sogar 29 %, die dieses Verdienstvolumen für angemessen halten.

Quelle:

Statista/ApoBank/Zi-Panel, Statistisches Bundesamt