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Geldanlagen
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25 Jahre, so alt werden Exchange Traded Fund (ETF) in diesem Jahr hierzulande. Denn genau am 11. April 2000 wurde der erste ETF in Deutschland an der Börse gehandelt – es war der Startschuss für einen echten Siegeszug. Groben Schätzungen zufolge gibt es hierzulande inzwischen weit mehr als 2.000 ETFs, in denen nach Angaben von Statista rund 190 Milliarden Euro angelegt sind.

Dabei setzten ETFs ihren Siegeszug auch im vergangenen Jahr fort. Laut Morningstar vermeldeten sie europaweit Rekordzuflüsse von 247 Milliarden Euro. Wohin das Kapital hierzulande geflossen ist, hat die ING Diba im Auftrag der FAZ recherchiert. Dabei dominiert ein Index die Liste der beliebtesten ETFs sehr deutlich: nämlich der Weltaktienaktienindex MSCI World, den sieben der Top 10 ETFs in irgendeiner Form abbilden. Dazu kommen je ein ETF auf den FTSE All-World und auf den S&P 500 sowie ein Geldmarkt-ETF.

„Damit haben Anleger zunächst eine gute Wahl getroffen“, urteilt Franz Kaim von der Kidron Vermögensverwaltung GmbH in Stuttgart. „Der MSCI World ist ein breit aufgestellter Index, der die wichtigsten Anlagethemen beinhaltet und er eignet sich gerade für Neueinsteiger.“

Produkt und Index genau ansehen

Dennoch lohnt sich ein genauerer Blick auf den Index selbst. „Anleger müssen bedenken, dass sie mit dem MSCI World fast ausschließlich in die Industrienationen investieren und zu knapp 74 Prozent in die USA, während die Schwellenländer oder Nebenwerte fehlen“, so Anton Vetter von der BV & P Vermögen AG in Kempten. Dazu kommt, dass die zehn größten Unternehmen beim MSCI World, wozu die führenden Technologiekonzerne gehören, auf mehr als ein Viertel der Marktkapitalisierung kommen. Im US-Aktienindex S&P 500 sind es sogar rund ein Drittel.

Zwar entwickeln sich die großen Tech-Konzerne operativ sehr gut. „Kommt es aber zu Enttäuschungen, dann kann diese erhebliche Konzentration zu deutlichen Kursrückgängen führen“, warnt Vetter. Eine im Vergleich dazu etwas breitere Streuung bietet übrigens der FTSE All World. Dort machen US-Aktien nur rund 65 Prozent aus und er enthält auch taiwanesische oder chinesische Werte.

Ebenfalls in der Liste befindet sich auch ein Swap-basierter ETF auf den MSCI World. Solche Produkte bilden die Wertentwicklung des Index über Tauschgeschäfte ab. „Sie müssen also nicht die tatsächlichen Werte des Index beinhalten“, erklärt Vetter. „Swap-basierte ETFs sind zwar oft ein paar Basispunkte günstiger, aber wenn man die Aktien aus einem Index physisch haben möchte, eignet sich eher die replizierende Variante.“

Ohnehin sollten sich Anleger vor dem Kauf eines ETFs das Produkt und den Index genau ansehen. „Man sollte schließlich wissen, in was man investiert“, so Kaim. „Dazu würde ich darauf achten, wie nahe die Wertentwicklung eines ETF an seinem Index ist, und die Kosten vergleichen.“

Allein auf den MSCI World zu setzen, hält Anton Vetter zwar für den richtigen Weg für Einsteiger. „Und in den vergangenen Jahren war es auch kein Fehler, auf den MSCI World zu setzen“, sagt er. „Es gibt aber auch gute Gründe, von dessen Zusammensetzung abzuweichen.“

Weltweit investieren

Dazu zählt seiner Ansicht nach die extreme Übergewichtung in US-Aktien, im Bereich Technologie und in Fremdwährungen, vor allem dem US-Dollar. „Statt dessen sollte man sich vor einer Anlage über eine geeignete Länderallokation Gedanken machen und dieser folgend dann weltweit investieren und womöglich auch Nebenwerte berücksichtigen“, so Vetter.

Eine solche Asset Allocation ist mit ETFs gut darstellbar. „Man könnte beispielsweise als Kernanlage auf den S&P 500 und den europäischen Stoxx 600 setzen, um die wichtigsten Märkte abzubilden“, erklärt Kaim. Darum herum können sich dann Satelliten-Investments in Nebenwerte, auf asiatische Aktien oder bestimmte Branchen oder Themen eignen.

Der Vorteil: „Anleger können sich so eine eigene Asset Allocation aufbauen, die besser zur persönlichen Meinung passt und man kann dann in einem Markt auch mal Gewinne mitnehmen und diese in einen anderen Markt reinvestieren, wo man mehr Potenzial sieht“, fasst Kaim zusammen. Mit anderen Worten: Wer nicht nur in den MSCI World investiert, hat auch die Möglichkeit sein Portfolio zu steuern, was allein mit einem Investment in den MSCI World schwer möglich ist.

Mit welchen ETFs der Einstieg in den Vermögensaufbau in diesem Jahr gelingt

Für den privaten Vermögensaufbau sind Aktien unerlässlich. Denn langfristig weist keine Anlageklasse eine bessere Wertentwicklung auf. Und: Über einen Anlagezeitraum von über 15 Jahren lag die Verlustwahrscheinlichkeit in der Vergangenheit bei null. Das heißt, egal, zu welchem Zeitpunkt ein Anleger in einen der großen Indizes wie den MSCI World einstieg, er war nach allerspätestens 15 Jahren wieder im Plus. Gerade wer jung ist, hat viel Zeit für die Geldanlage, weshalb ein Aktieninvestment bevorzugt werden sollte.

Um in Aktien zu investieren, sind Exchange Traded Funds (ETFs) ein ideales Vehikel. Sie bilden die Wertentwicklung eines Index ab, womit Anleger genau die Performance des Index bekommen, abzüglich der – meist recht geringen – Kosten.

Aber welche ETFs eignen sich ganz konkret für den Einstieg?

Die meisten Experten rechnen 2025 zwar mit einem erneuten Anstieg der Aktienkurse, Phasen größerer Kursschwankungen sind jedoch nie auszuschließen. Aus diesem Grund ist eine breite Streuung über eine Vielzahl von Einzelaktien sowie über verschiedene Regionen und Branchen gerade für Neueinsteiger sehr wichtig.

Damit bieten sich vor allem ETFs auf Aktienindizes an, die die weltweiten Aktienmärkte abbilden. Eine Möglichkeit ist der MSCI World, der die nach Marktkapitalisierung größten Unternehmen aus den Industriestaaten enthält, Alternativen dazu sind der MSCI All Country World oder FTSE All-World, die jeweils auch die Schwellenländer mit berücksichtigen und damit etwas breiter aufgestellt sind. Hier sind einige ETFs auf diese Indizes:

  

Amundi MSCI World

LU1681043599

Amundi MSCI All Country World    

LU1681043599

HSBC MSCI World

IE00B4X9L533

Invesco FTSE All-World

IE000716YHJ7

iShares Core MSCI World

IE00B4L5Y983

SPDR MSCI ACWI

IE00B44Z5B48

UBS MSCI World SRI    

LU0629459743

Vanguard FTSE All-World

IE00B3RBWM25

Xtrackers MSCI World

IE00BJ0KDQ92

Wer als Einsteiger oder auch als bereits erfahrener Anleger eine eigene Meinung zu den Regionen hat und die Länderallokation selbst zusammenstellen möchte, kann einen etwas komplexeren Weg gehen. Hier bieten ETFs die Möglichkeit die beiden wichtigsten Märkte, den US-amerikanischen und den europäischen Markt, mit dem S&P 500 Index und dem Stoxx 600 abzubilden und auf diese Weise die beiden Regionen – abweichend von den Weltaktienindizes – individuell zu gewichten.

  

Amundi Stoxx Europe 600

LU0908500753

iShares Core S&P 500 Acc

IE00B5BMR087

SPDR S&P 500

IE000XZSV718

Xtrackers Stoxx Europe 600

LU2581375156

Ein Anleger hat dann zusätzlich die Möglichkeit, US-amerikanische oder globale Nebenwerte, die derzeit als unterbewertet gelten, sowie Aktien aus den Schwellenländern mit einem kleinen Prozentsatz, zum Beispiel insgesamt zehn Prozent, beizumischen. Dafür bieten sich etwa folgende ETFs an:

  

Amundi MSCI Emerging Markets

LU1681045370

Invesco Russell 2000 (US-Nebenwerte)

IE00B60SX402

Invesco Russell 2000 (US-Nebenwerte)

IE00BF4RFH31

SPDR Russell 2000 US Small Caps

IE00BJ38QD84

Xtrackers MSCI Emerging Markets

LU2675291913

Auf diese Weise lässt sich ein breit gestreutes und weltweit diversifiziertes Aktienportfolio aufbauen, wobei die Ländergewichtung selbst vorgenommen wird.

Interview: „Der Sinn von aktiven ETFs erschließt sich mir nicht“

Nicht nur das in ETFs investierte Kapital wächst, sondern es kommen auch laufend neue Produkte auf den Markt. Franz Kaim von der Kidron Vermögensverwaltung wirft einen Blick auf die aktuellen ETF-Trends und darauf, wie sich Anleger in 2025 aufstellen sollten.

Herr Kaim, auf welche Märkte setzen Sie in diesem Jahr?

Franz Kaim; Bild: Kidron/V-Bank

Franz Kaim: US-Aktien sind in den vergangenen Jahren gut gelaufen und es spricht vieles dafür, dass auch in diesem Jahr kein Weg am US-Markt vorbeiführen wird. Ich erwarte aber auch viel Unsicherheit und hohe Kursschwankungen, weshalb eine gute Diversifikation über viele Regionen und Branchen im Aktienbereich sehr wichtig ist.

Was empfehlen Sie abweichend vom MSCI World, wo die USA ja fast drei Viertel des Index ausmachen?

Kaim: Indem man stattdessen mit ETFs auf den S&P 500 und den europäischen Stoxx 600 setzt, kann man sich überlegen, Europa etwas stärker zu gewichten. Wir haben auch auf dem alten Kontinent qualitativ hochwertige Unternehmen, die aber günstiger bewertet sind. Wenn man eine dezidierte Meinung zu anderen Regionen oder zu Nebenwerten hat, kann man aber auch diese zu einem kleinen Teil beimischen.

Zunehmend gibt es ETF-Lösungen, die Länder wie die USA oder China ausschließen. Können sie dabei hilfreich sein?

Kaim: Wenn ein Anleger eine Meinung zu den Märkten hat, kann er damit ein Portfolio sicherlich besser steuern. Nehmen wir an, ich will zwar in die Schwellenländer investieren, habe aber meine Zweifel, ob Chinas Aktienmarkt ein gutes Investment ist. Dann kann ein Emerging-Market-ETF, der China ausschließt, interessant sein.

Gilt das auch für fokussierte ETFs, die zum Beispiel nur in die zehn oder 20 größten Unternehmen aus dem S&P 500 investieren?

Kaim: Auch das kann hilfreich sein, wenn man glaubt, dass diese Titel weiter sehr gut laufen werden. Aber dann besteht natürlich die Gefahr, dass die Konzentration in diesen Aktien zu hoch wird. Anleger müssen also ihr Portfolio im Blick haben und genau wissen, was sie wollen. Dann bieten solche ETFs schon die Möglichkeit, das Portfolio zu optimieren. Als Einsteiger, der über einen Sparplan investiert, würde ich das aber nicht machen.

Es gibt auch aktive ETFs. Können sie bei der Portfoliosteuerung unterstützen?

Kaim: Passives Investieren über ETFs hat klare Vorteile, wie hohe Transparenz, niedrige Kosten und die gute Handelbarkeit. Das ist bei aktiven ETFs, bei denen aus dem zugrunde liegenden Index nach bestimmten Regeln Titel ausgewählt werden, nicht mehr in gleichem Maße der Fall. Entweder ich investiere passiv oder aktiv, wobei es für aktive Investments ja bereits Investmentfonds gibt. Deshalb erschließt sich mir der Sinn von aktiven ETFs nicht.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

Wie funktioniert ein Sparplan und warum eignet er sich so gut für den langfristigen Vermögensaufbau?

Sparpläne auf ETFs sind en vogue. Laut dem Research von extraETF wurden im August vergangenen Jahres rund 4,5 Millionen ETF-Sparpläne ausgeführt, wobei knapp 800 Millionen Euro investiert wurden. Die durchschnittliche Sparplanrate lag bei 176,20 Euro. Tatsächlich lässt sich ein Sparplan sehr einfach einrichten: Dafür muss man ein Konto und ein Depot bei einer Bank haben, wo dann ganz einfach online ein Sparplan auf den gewünschten ETF eingerichtet werden kann. Der Kunde muss dann nur die sogenannte ISIN-Nummer des ETFs eingeben und einen monatlichen Betrag, die Mindestanlagesumme liegt meist bei 25 Euro, festlegen.

Das Charmante daran: Sinken die Kurse, dann kauft der Anleger automatisch mehr ETF-Anteile und reduziert so seinen durchschnittlichen Einstiegpreis. Dies kann in schwierigen Marktphasen helfen, einen panikartigen Ausstieg aus dem Investment zu vermeiden.    Zusätzlicher Vorteil: Ein Sparplan kann jeder erhöht, reduziert oder auch ganz ausgesetzt werden. Zudem ist für langfristig ausgerichtete Investoren ein thesaurierender ETF zu empfehlen, da hier potenzielle Ausschüttungen wieder angelegt und nicht ausgeschüttet werden. Langfristig ergibt sich damit ein Zinseszinseffekt, der die potenzielle Rendite nochmals zusätzlich anschiebt.

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